Kind 2 hatte heute U4. Grundsätzlich ist er gesund, nur das Gewicht passt nicht. Ich werde also im Folgenden auf erhöhtem Niveau jammern. Wenn euch das triggert, tut es euch nicht an.

Das Kind ist sehr dünn und ich wurde auch schon in sämtlichen Kursen, die wir machen darauf angesprochen. Er wächst quasi nur in die Länge und kaum in die Breite. Kind 1 sah zu diesem Zeitpunkt schon aus wie ein Michelin-Männchen.
Aber nun mal die Fakten: Er ist 62 cm lang und wiegt 4860 g. Die Kinderärztin kommentierte das mit: „Du siehst ja aus, wie ein verhungertes Äffchen.“ Das hat mir ziemlich zugesetzt. Sie rät mir zuzufüttern oder mit Beikost zu beginnen. Beides fühlt sich für mich falsch an. Kind 2 ist ein zufriedenes Baby. Er schafft es grade ohne Stillhütchen zu trinken. Er schläft oft an der Brust ein. Aber wenn er wach ist, lacht er viel und ist wirklich freundlich und fröhlich. Würde er nicht genug Milch bekommen, würde er sich doch melden, oder?
Ich habe Angst, dass zufüttern nun das Abstillen einleitet. Ich habe Kind 1 schon früher abgestillt, als ich eigentlich wollte und mein Plan war, mich durch eine schöne und lange Stillzeit mit Kind 2 mit dieser Last auszusöhnen. Wir diese Stillzeit auch wieder nur 5 oder 6 Monate lang, hätte ich daran wirklich zu knapsen. Es würde sich wie versagen anfühlen… Es fühlt sich eigentlich jetzt schon wie versagen an. Warum ist er so dünn? Wie ist das meine Schuld? Was mache ich falsch?

Gedanken, Ideen oder Ratschläge sind herzlich willkommen.

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Die Sensibilität mancher Systeme

Ich telefonierte soeben mit meiner Krankenkasse. Eigentlich wollte ich nur eine Frage stellen: Was muss ich für den Antrag auf eine Haushaltshilfe nach der Geburt einreichen? Gibt es da einen Vordruck der mir zugeschickt werden könnte?

Die Antwort darauf habe ich immer noch nicht. Dafür ein bisschen mehr das Gefühl unzulänglich zu sein. Aber der Reihe nach.

Mein Psychologe ist der Meinung, ich hätte keine Wochenbettdepression, sei aber aufgrund der momentan erlebten Hilflosigkeit (Kind 2 lässt sich nicht ablegen, möchte vormittags und abends gerne dauergestillt werden, ich bin nicht dazu bereit ihn nach einem festen Zeitplan zu stillen und deshalb komme ich zu nichts anderem als stillen.) in Gefahr in eine depressive Episode abzugleiten. Diese Hilflosigkeit fühlt sich nämlich genau so an, wie die die ich erlebe, wenn mein Gehirn zu wenig Serotonin produziert und ich infolgedessen nicht in der Lage bin aufzustehen und etwas zu schaffen. Die Idee war also, dass ich mir schon bevor es soweit ist, so viel Hilfe wie möglich hole. Das versuchte ich soeben der verständnislosen Dame bei der Krankenkasse zu erklären. Eigentlich recht einfach: Ich habe Depressionen, bin nicht in der Lage meinen Haushalt zu führen und deshalb würde ich gerne eine Haushaltshilfe beantragen.

Ihr Job schien es aber zu sein, mir Anträge auszureden. Sie sagte, ich sei ja nicht bettlägerig und müsse nicht ins Krankenhaus. Es sei meinem Mann zuzumuten den Haushalt in der Nacht und am Wochenende alleine zu führen, wenn ich das sonst wirklich nicht könnte. Und sollte ich mal wirklich ernsthaft krank werden, könnte ich ja nochmal neu über eine Haushaltshilfe nachdenken und mich gerne wieder melden.

Ich bin momentan nicht in der Verfassung, lange für mich selber einzustehen und zu kämpfen. Eigentlich war ich das noch nie. Lustiger Weise ist das Teil von meinem Krankheitsbild. Ich habe mich am Ende des Gesprächs sogar für die Auskunft bedankt.

Und seitdem dreht sich mein Kopf. Ich fasse es nicht, dass die Mitarbeiterin Depressionen tatsächlich als keine ernsthafte Krankheit eingestuft hat. Ist sie sich bewusst, was das bei mir für Gefühle hinterlässt? Ich fühle mich, wie eine Betrügerin und Hochstaplerin. In den letzten vier Jahren habe ich mühevoll und in winzigen Schritten gelernt, mich selber wahrzunehmen, meinen Gefühlen zu vertrauen, mir Hilfe zu suchen und mich anderen zuzumuten. Eigentlich war dieser Anruf bei der Krankenkasse eine perfekte Übung für all das, nur dass meinen Gefühlen misstraut und mir Hilfe verweigert wurde. Vermutlich ist das ebenfalls eine wichtige Lektion. Aber im Moment fühle ich mich dadurch ziemlich zerstört. Und ich stelle mir vor, dass es für die Krankenkasse ein Erfolg ist, wenn ich keinen Antrag stelle. Prävention ist in dieser Weise nicht vorgesehen und Sensibilität habe ich nicht erfahren. Das ist tatsächlich schmerzhaft.

Genius II (29.01.)

Kind 1 ist lauffaul. Er ist jetzt fast 3 1/2 Jahre alt und möchte eigentlich sehr gerne noch überall hin getragen werden. Ich verstehe schon, dass es da viel um Körpernähe und Sicherheit geht, ich denke aber, er macht es sich auch grundsätzlich einfach gerne so bequem wie möglich. Und selber laufen ist nun mal eher unbequem.
Als ich ca. in der 24. Schwangerschaftswoche mit Kind 2 war, bekam ich vorzeitige Wehen und damit das absolute Verbot irgendwas zu heben, was schwerer war als 5 Kilo. Kind 1 fiel mit seinen 12 Kilo absolut in diese Kategorie. Mit viel Erklärungen, vielen Bestechungen und sehr viel Geduld haben wir es geschafft, dass er selber gelaufen ist, wenn er mit mir unterwegs war. Nun ist Kind 2 da und liegt wirklich nicht gerne im Kinderwagen sondern verbringt den Großteil des Tages im Tragetuch. Damit ist die Kapazität das inzwischen fast 13 Kilo schwere Kleinkind zu tragen immer noch nicht wieder hergestellt. Viel lauffreudiger ist Kind 1 in der zwischenzeit aber auch nicht geworden. Ich plante also unsere Wege meist so, dass er möglichst wenig laufen muss, auch wenn das eigentlich alles komplizierter macht (Wir können auf dem Heimweg vom Kindergarten beispielsweise an einer Bushaltestelle aussteigen, die näher an unserer Wohnung liegt, dazu müssen wir aber am Hauptbahnhof umsteigen und oft 15 Minuten auf den zweiten Bus warten…).
Da ich generell von Kind 2 körperlich sehr belagert werde, löse ich Konflikte oder Problemsituationen mit Kind 1 grade zu 95% durch Mediation. Ich rede und rede und rede mir den Mund fusselig. Aber es klappt. In vielen Situationen kann ich ihn von etwas ablenken das ihn stört, indem ich ein Gespräch anfange. Also probierte ich das neulich auch mit dem längeren nach Hause Weg aus:“Hey Kind 1, soll ich dir eine Geschichte erzählen?“ Er war sofort Feuer und Flamme, lief neben mir her und hörte sich Schneewittchen sehr aufmerksam an. Am nächsten Tag erzählte ich Rotkäppchen und am nächsten Tag Hänsel und Gretel. Er ist total begeistert und läuft klaglos den ganzen Weg. Er stellt manchmal Zwischenfragen und tatsächlich unterhalten wir uns über moralische Themen. Natürlich auf angemessenem Niveau mit einfachen Worten aber ich genieße es total.
Und langsam brauchen wir mal ein Märchenbuch, damit mir die Geschichten nicht allzu schnell ausgehen.

Genius I (16.01.18)

Es ist schon ein paar Tage her, aber ich komm erst jetzt dazu es aufzuschreiben.

Kind 2 hat abends seit ca. drei Wochen eine Schreistunde. Viele Kinder haben das. Sie verarbeiten dann wohl die Eindrücke des Tages. In dieser Zeit hilft leider fast gar nichts zur Beruhigung. Bei uns klappt Stillen tagsüber oft als Trost, in dieser Zeit schreit er an der Brust nur. Gut ist, wenn man ihn bei den ersten Anzeichen von Unzufriedenheit ins Tragetuch bindet und rumläuft. Nach etwas Gemecker, verschläft er die sonst turbulente Zeit dann so.
Es begab sich also am Dienstag Abend, dass wir uns der Schreistunde (die hier übrigens meist gegen neun beginnt) näherten und M. auffiel, dass wir keine Milch mehr hätten. Er schlug also vor, Kind 2 ins Tuch zu nehmen und noch schnell Milch kaufen zu gehen.
Mein genialer Moment fand dann statt: Ich sagte einfach Ja. Sonst denke ich immer, dass ich Stärke zeigen und den  Mann nicht belasten sollte, aber es war eine wahnsinnige Wohltat einfach mal abzugeben. Ich hatte darauf folgend anderthalb Stunden für mich! Denn Kind 2 schlief auch nach dem Einkaufen noch friedlich weiter und M. brachte ihn mir erst, als ich schon ins Bett gegangen war. Dort konnte ich sogar zehn Minuten komplett ausgestreckt und ganz alleine liegen. Sonst hängt die ganze Nacht ein dauerstillendes Kind an meiner Brust.

Es tat einfach gut Zeit für mich zu haben und einen kleinen Teil Verantwortung abzugeben 🙂

Habt ihr in letzter Zeit geniale Momente gehabt?

One Bad Mother

Irgendwann im November erzählte M. mir von einer Werbung für einen Podcast, die er gehört hätte. Der Podcast nennt sich „One Bad Mother“ und ist auf Maximum Fun zu finden. Das Wort „bad“ ist dabei in seinem positiv, umgangssprachlich genutzten Sinn zu verstehen.

Irgendwann im Dezember fing ich an, mir das anzuhören. (Für Stillsessions die gerne über eine Stunde dauern, bietet sich das sehr gut an.) Und ich möchte berichten, dass es mir hervorragend gefällt. Die Gastgeberinnen* der Show erzählen viel aus ihrem Alltag mit ihren Kindern. Es geht explizit darum, dass mit der Geburt eines Kindes eben nicht die Sahnehaube des Glückskuchenberges erklommen ist und die Familie fortan nur noch über Regenbögen und rosa Wolken schwebt, wie es einem in vielen Medien gerne erzählt wird. Es geht vielmehr darum, von den Schwierigkeiten und anstrengenden Phasen des Alltags zu erzählen und festzustellen, dass kein Elternteil mit diesen Problemen allein ist. Die Zuhörer*innen werden ermutigt und aufgefordert, sich mit anderen Eltern  zusammen zu tun oder zumindest andere Eltern wissen zu lassen, dass sie das gut machen mit der Erziehung ihrer Kinder. Wenn ihr jemanden seht, dessen, bzw. deren Kind mitten im Supermarkt einen Wutanfall bekommt, lächelt nett, bietet an zu helfen, oder sagt einfach nur: „Ich kenne das. Es geht zum Glück irgendwann vorbei.“ Ich denke, damit ist einem anderen Menschen schon viel geholfen. Denn ich persönlich fühle mich in solchen Situationen oft von allen Anwesenden verurteilt und es wäre wirklich schön mitzukriegen, wenn dem nicht so wäre.

Ein Teil der Show nennt sich „Genius/ Fail-Time“. Dabei berichten zuerst die Betreiberinnen* des Podcast von einem genialen Moment den sie in der letzten Woche mit ihren Kindern hatten und auch von einem Moment, in dem sie sich furchtbar gefühlt haben und irgendetwas gar nicht geklappt hat. Im Anschluss wird jeweils noch ein Anruf, in dem ein*e Hörer*in ihre genialen oder furchtbaren Moment erzählt, abgespielt. Es geht ebenfalls einfach wieder darum zu merken, dass man mit den furchtbaren Momenten nicht alleine ist und in den genialen Momenten freut man sich für die Person.
Diese Idee finde ich wunderbar alltagstauglich und möchte sie hier für den Blog übernehmen. Denn oft erreiche ich in meinem Alltag mit Baby und Kleinkind irgendetwas Kleines, für das ich mich feiere. Manchmal ist das nur, dass ich es geschafft habe die Wäsche zu falten und aufzuräumen ohne unterbrochen zu werden. Für mich ist das super, M. kann das am Abend oft nicht so würdigen, weil sein Alltag ein ganz Anderer ist, oder ich habe es bis zum Abend schon wieder vergessen, weil noch so viel anderes war. Deshalb werde ich diese Momente nun mit der Weite des Internets teilen und lade euch herzlich ein, eure Momente in den Kommentaren zu hinterlassen oder auf euren Blogs darüber zu berichten und einen link dazu hier zu lassen.

Ich würde mich freuen, wenn es irgendjemandem hilft, sich nicht mehr so allein zu fühlen, wie das manchmal passieren kann. Wir machen das nämlich alle ziemlich gut, also sollten wir uns auch gut fühlen.

Fünf Wochen

und ein bisschen… Als Kind 2 genau einen Monat alt war, habe ich für ungefähr vier Sekunden dieses Tages daran gedacht, dass das einen Blogeintrag wert wäre. Und dann war der Gedanke auch schon wieder weg. Kind 1 hatte in diesem Alter bereits ein liebevoll gestaltetes Erinnerungsalbun mit ca. 20 Fotos aus seinen ersten drei Lebenstagen. Ratet mal, was Kind 2 hat. Richtig, eine Mutter mit dezent schlechtem Gewissen. Nur dezent, weil das Kind noch jung genug ist, damit der Plan das alles rechtzeitig nachzuholen bombensicher steht.
Außerdem versuche ich alles etwas entspannter zu sehen und es so gut zu machen, wie es eben geht. Deshalb jetzt ein Update, nach Fünf Wochen und ein bisschen.

Zum einen ist das Thema Stillhütchen ein großes Thema im Leben von Kind 2.
Von Anfang an fasste er die Brust nicht richtig. Er sperrt den Schnabel vorbildlich weit auf, verweilt genau da wo er zugreifen sollte, wird dann aber hektisch, kommt zu nichts und weint schließlich frustriert die Brust an. In den ersten Tagen trat dieses Problem nur an der linken Seite auf, später beidseitig. Im Krankenhaus war der Rat ihn etwas „bestimmter zu führen“. Im Klartext heißt das, seinen Kopf mit Gewalt gegen die Brust zu drücken und hoffen, dass es so klappt. Ich kann das nicht, das fühlt sich einfach falsch an und ich habe das Gefühl, es lässt das Kind von frustriertem zu panischem Schreien wechseln.
Die Hebamme vermutete dann, dass er einen stärkeren Impuls am Gaumen braucht, damit der Saugreflex ausgelöst wird und empfahl Stillhütchen. Glücklich bin ich damit nicht. Ich finde die Dinger unpraktisch und habe jetzt schon Angst vor dem Moment in dem ich mit einen hungrigen Baby irgendwo bin und die Hütchen vergessen habe. Außerdem kuschelt sich das Kind 2 gerne nach dem Trinken so an die Brust, dass es die Silikondinger dabei runter reibt. Das passiert auch vor dem Trinken manchmal durch fuchtelnde Babyarme und ist einfach nur nervig und unpassend in dem Moment.
Aber gut. Es hilft ja alles nichts. Kind 2 kann damit trinken und darauf kommt es schließlich an. Die Hebamme ist der Meinung, nach einiger Zeit, könne man die auch wieder weg lassen, wenn man konsequent genug ist. Ich habe bei dieser Aussage das Gefühl, dass mir die Schuld an einer möglichen komplett mit Stillhütchen verbrachten Stillzeit schonmal vorsorglich eingeredet wird. Aber wenn sie diese Hilfsmittel grundsätzlich für empfehlenswert hält, warum verteufelt sie sie dann nach einem Monat plötzlich?
Bislang habe ich mit dem Abgewöhnen jedenfalls keinen Erfolg und verliere ab und zu mal die Hoffnung, das überhaupt zu schaffen.

Das liegt unter anderem auch daran, dass Kind 1 in der dritten Lebenswoche seines Bruders eine dicke Erkältung bekam, die er weitergab. Sowas ist wohl nicht zu vermeiden. Erst ging es dem Großen richtig schlecht und dann dem Kleinen. Die armen Würmer. Durch den Schnupfen und Husten wurde Kind 2 das Trinken auch noch zusätzlich erschwert. Er war oft furchtbar schlapp und nahm in der Zeit nicht ordentlich zu. Bei der U3 haben wir nun eine Babywaage verschrieben bekommen, mit der wir sein Gewicht regelmäßig kontrollieren sollen. Und einem Kind das sowieso schon schwer schluckt und krank ist, dem gewöhne ich in der Zeit auch seine Trinkhilfen nicht ab.
Irgendwie ist das ganze Stillthema nun aber für mich belastet. Ich hatte mich auf eine schöne und lange Stillzeit gefreut. Das wird mein letztes Baby sein, ich möchte alles genießen. Vielleicht muss ich mich darin üben, es mit Stillhütchen zu genießen und die nicht als Störfaktor betrachten. Richtig anfreunden kann ich mich mit dem Gedanken aber nicht. Vielleicht ist es auch das Gefühl, ich bräuchte dieses Hilfsmittel, weil bei mir etwas falsch ist. Diese Annahme in Äußerungen mitschwingen zu lassen, scheuen sich die meisten Menschen auch kein Stück…

So. Bis hierhin erstmal. Mal gucken, wann ich das nächste Mal Zeit und Muße finde, über den Charakter des Babys allgemein (eher entspannt) und der Beziehung der Brüder zueinander (auch eher entspannt) zu schreiben.

ET + 6: Kind 2 ist da :-)

Da es eine sehr sehr schnelle Geburt war, hier auch gleich der Geburtsbericht:

An ET+5 war ich morgens zur CTG-Kontrolle bei meiner Hebamme und man sah zwei Wehen, die ca. 1 1/2 Minuten lang waren, aber kaum zu spüren. Den Tag über kamen solche Wehen noch ein paar mal. Abends sahen wir uns den neuen Thor-Film im Kino an (Kind 1 war bei den Großeltern) und währenddessen hatte ich vielleicht vier oder fünf Wehen und begann langsam Hoffnung zu entwickeln, dass sich damit nun doch die Geburt ankündigte. Auf der Heimfahrt verschwanden allerdings fast alle Wehen wieder. Ich ging gegen zwölf Uhr ins Bett. Kurz nach drei kam M. ins Bett und ich merkte die erste Wehe, die wirklich schmerzhaft war. Sofort wusste ich wieder, warum die Dinger Wehen heißen und warum man diesen Schmerz so schnell verdrängt. Ob das jetzt allerdings der endgültige Geburtsbeginn sei, darüber war ich mir immer noch nicht im klaren. Der Wannentest zeigte nur, dass ich die Wanne doof fand und so schnell wie möglich wieder raus wollte. Ich sagte M. , dass er noch versuchen solle etwas zu schlafen und ich schon Bescheid sagen würde, wenn sich was verändert. Beim nächsten Gang auf die Toilette sah ich, dass ich blutete und es kam mir nach relativ viel Blut vor. Ich informierte M. (der natürlich keine Zeit gehabt hatte zu schlafen), dass ich das gerne abklären lassen würde und es folgte ein komplett hektischer Aufbruch ins Krankenhaus. Wir haben es aber geschafft, an alles wichtige zu denken und sogar ein bisschen Trockenobst als Snack einzupacken.
Verbessert hat die Situation nicht, dass es nun quasi kaum noch Wehenpausen gab. Auf dem Weg ins Krankenhaus war natürlich jede Ampel rot. Gerade als M. sich nicht sicher war, die richtige Abbiegung genommen zu haben, merkte ich, wie der Kopf des Kind deutlich tiefer rutschte und ich eigentlich mitschieben wollte. Zwei Minuten später waren wir zum Glück am Krankenhaus. Auf dem Weg zum Kreißsaal (im Rollstuhl) kam die nächste Presswehe, in der ich es schaffte nur ganz sanft und ganz minimal mitzuschieben.
Danach schaffte ich es auch noch zu sagen: „Hallo ich habe Wehen und Blutungen.“ Wir wurden in einen Kreißsaal gebracht, die Hebamme half mir aus den Rollstuhl und dem ersten Hosenbein. Die nächste Presswehe kam und ich spürte nun deutlich, dass der Kopf kurz vorm Ausgang stand. Die Fruchtblase platzte und ich schaffte es irgendwie aus dem zweiten Hosenbein. Dann wurde der Kopf geboren. Die Ärztin kam glaube ich erst danach ins Zimmer. Es brauchte noch zwei Wehen für den Rest des Körpers. Um 3.59 Uhr war Kind 2 da. Damit hat seine Geburt insgesamt keine ganze Stunde gedauert. Alle Beteiligten waren vollkommen überrumpelt von dieser Schnelligkeit. Nur Kind 2 chillte vollkommen entspannt auf meinem Bauch. Er trank nach einigen Schwierigkeiten beim Andocken erstmal ausgiebig und die Plazenta wurde geboren. Aufs Bett habe ich es übrigens erst nach der Geburt geschafft. Das Baby kam im Stehen, obwohl die Hebamme mich lieber im Vierfüßler gehabt hätte.

Ich bin unglaublich froh, dass wir keine zehn Minuten länger mehr zu Hause gewartet haben, sonst wäre Kind 2 wohl vor dem Krankenhaus geboren worden.
Es geht trotz dieser Rasanz aber aller gut. Ich musste nirgends genäht werden und mein Kreislauf normalisierte sich im Laufe des folgenden Tages.
Heute (einen Tag später) sind wir nach Hause gegangen und haben einen ersten trubeligen, aber insgesamt entspannten Tag zu viert verbracht. Kind 1 ist sehr liebevoll mit seinem kleinen Bruder. Man merkt aber auch, dass die Situation sehr viel für ihn ist und recht schwer zu fassen. Kind 2 ist bislang sehr entspannt, schläft tagsüber viel und verarbeitet alles erlebte abends mit Dauerstillen. Mal gucken, wie unsere zweite Nacht zusammen wird.